In der Kindheit erfahrene Züchtigungen können einen Menschen sein ganzes Leben hindurch prägen. Die Art, wie diese Erfahrungen verarbeitet werden, fallen dabei natürlich sehr unterschiedlich aus.
Einige werden vielleicht recht schnell einen distanzierten, rationalen Blick erlernen, so dass die erlebten Kränkungen ihnen nichts mehr anhaben können.
Andere hingegen werden womöglich selbst zu überzeugten Anhängern dieser Erziehungsmethode. Indem sie sie bejahen und einfordern, versuchen sie sich selbst einzureden, dass ihnen einst kein Unrecht geschah.
Die Erotisierung ist ein weiterer Weg, der sich in einzelnen Fällen mit dem der Bejahung überschneiden mag, dies aber keineswegs muss: Schläge werden als Erziehungsmittel verworfen, aber im erotischen Spiel zwischen gleichgesinnten Partnern können die traumatischen Erfahrungen stets aufs Neue durchlebt, dabei jedoch zugleich auch genossen werden. Man arbeitet sich am Geschehenen ab, um zugleich einen lustvollen Mehrwert abzuzwacken.
Wirklich erledigt kann das Thema dabei allerdings nie werden. Es ist ein Kreislauf, aus dessen Bahnen man sich nicht lösen kann, eine endlose Zirkulation des Begehrens, die das Trauma umströmt - unaufhörlich, unersättlich. Es bleibt immer etwas "zu erledigen"...
Diese Gedanken kamen mir beim Betrachten der nachstehenden Karikatur. Und der Humor - er ist natürlich eine weitere Möglichkeit der Bewältigung. Denn auch und gerade in einem Bild wie diesem sind so viele Zeichen der Repression, der Unterdrückung, enthalten.
Zuerst fällt natürlich die Arbeitsteilung auf: Es ist der Vater, der straft, und die Drohung: "Warte nur, bis Papa nach Hause kommt", wird diesem Mädchen nicht fremd sein. Verbunden mit dieser Arbeitsteilung und Ritualisierung ist das bange Warten, das der Züchtigung vorausgeht.
Zugleich hat es etwas Emotionsloses an sich: Neben den anderen zu erledigenden Dingen, als "dringend" gekennzeichnet, erscheint die Züchtigung nicht als etwas Affektives, sondern als etwas Wohlüberlegtes und Wohldosiertes.
Der Brief des Mädchens, der zum Lachen reizen soll, ist zunächst und vor allem ein Zeichen der Unterwerfung - so, wie früher manche Eltern von ihren Kindern gefordert haben, dass sie sich für die erhaltenen Schläge auch noch bedanken, muss das Kind die von der Mutter soufflierten Worte an den Vater weitergeben.
Man beachte auch die Körpersprache des Mädchens: "Sitz gerade!", hat man ihm wohl schon mehr als einmal befohlen. Und das tut es nun, den Kopf demütig gesenkt - und zittert doch am ganzen Leibe.
Das beiliegende Strafbuch - Band 127 - übersteigert die Szene ins Groteske, täuscht dabei jedoch nicht über den Erfahrungsgehalt hinweg, der sich aus so vielen ganz und gar nicht amüsanten Elementen speist.
Nichts ist erledigt, alles schwelt - und sei es im Gewand der Komik.